Eine „Alte Messe“ für die Pfarrgruppe


„Ich möchte die lateinische Messe aus der Schmuddelecke herausholen“, sagt Pfarrer Jolie, seit 1997 Pfarrer in St. Michael / Nieder-Ramstadt. „Einen Versuch ist es wert.“


Die Rede ist von der sogenannten „tridentinischen Messe“, die in der katholischen Kirche bis in die sechziger Jahre weltweit gefeiert wurde – in Latein, der Priester mit dem Rücken zum Volk. „Der Papst hat diese Messe vor drei Jahren rehabilitiert, und besonders junge Leute interessieren sich dafür“, so Jolie. Er selbst schätze an dieser Messform, weil sie den Sinn für die Ehrfurcht und das Sakrale stärker fördere. „Wir feiern diese Messe in St. Michael seit zwei Jahren jeden Samstag früh“, so Jolie. „Nun machen wir ein Experiment und gehen auf einen Sonntag. Die Leute sollen wissen, dass sie nichts Böses tun, wenn sie sich für diese Form interessieren.“


In Verruf geraten sei die Messe durch die Querelen des Papstes Anfang des Jahres 2009 mit der schismatischen Lefebvre-Bewegung. „Unter den Lefebvristen gibt es zweifellos schräge Vögel, die Medien haben ja ausführlich darüber berichtet“, so Jolie. „Aber nicht jeder Priester, der lateinische Messen liest oder Soutane trägt, ist deswegen schon ein reaktionärer Piusbruder“. Mit diesen Verdächtigungen habe auch er im vergangenen Jahr kämpfen müssen. Mittlerweile habe sich die Lage aber einigermaßen entspannt.


Während eines Besuchs von Weihbischof Guballa vor einigen Wochen habe er ein intensives Gespräch über die Frage der Alten Messe geführt, so der Pfarrer, der seit 2006 die vier Pfarreien Nieder- und Ober-Ramstadt sowie Modau und Roßdorf-Gundernhausen leitet. „Hier in der Region gibt es Gottesdienste für Jugendliche, für Familien, für Verliebte und mittlerweile auch für Geschiedene. Warum soll es nicht auch eine Messe für Liebhaber der latenischen Form geben“, so habe er den Personalchef der Diözese gefragt. Der Generalvikar der Diözese habe ihn mittlerweile gebeten, über die Erfahrungen mit der Alten Messe regelmäßig Bericht zu erstatten. „Was wir hier machen, geschieht natürlich in Abstimmung mit Mainz“, so Jolie.


Alle vier Wochen werde es ab Februar eine alte Messe geben: „Nachmittags, selbstverständlich als zusätzliches Angebot. Wir wollen niemanden überfahren“, so Jolie. Aber das Interesse sei da.

 


Die nächsten Termine:


2012: 15.01., 12.02., 04.03., 01.04. (Palmsonntag), 20.05., 17.06.

19.08., 02.09., 14.10., 25.11., 09.12.

jeweils 17.00 Uhr in St. Michael/Nieder-Ramstadt


Unter der Rubrik "Liturgische Texte" finden Sie jeweils die Liedordnung

und die Übersetzung der lateinischen Messtexte (ca. 10 Tage vorher).

Die Anschaffung eines Schott-Messbuches ist sehr zu empfehlen. Näheres beim Pfarrer.