Elisabeth von Thüringen und die christliche Liebe
von Hendrick Jolie, Pfr.
Vorbemerkung
Von der christlichen Liebe sagt der Heilige Paulus, dass sie die größte der so genannten theologalen, also gottgeschenkten Tugenden ist (und somit Glaube und Hoffnung überragt bzw. vollendet). Wenn im nächsten Jahr der 800. Geburtstag einer der prägenden Gestalten des christlichen Abendlandes begangen wird, so werden die Feierlichkeiten von einer Fülle von Publikationen begleitet werden. Da scheint es hilfreich, im Vorfeld einen „Durchblick“ auf das Leben dieser Heiligen zu wagen: Was ist wichtig, was ist bleibend im Leben und Sterben dieser großen Frau?
Jungfrau, Ehefrau, Mutter, Witwe, gottgeweihtes Leben im Dienst christlicher Caritas: Diese Stadien hat Elisabeth von Thüringen in ihrem kurzen Leben durcheilt und damit die verschiedenen Aspekte christlicher Liebe in ihren 24 Lebensjahren zusammengefasst. Dieses Geheimnis hat Eingang gefunden in das Beten der Kirche. In der Präfation vom Elisabeth-Fest heißt es lapidar: „Du hast ihr große Liebe geschenkt.“ Anschließend werden dort die verschiedenen Wirkweisen dieser einen Liebe entfaltet: „Ihren Gatten liebte sie mit der ganzen Glut ihres Herzens.“ Weiter sagt die Präfation: „Als sie (= Elisabeth) ihn durch den Tod verlor, folgte sie dem Ruf des Evangeliums. Sie verkaufte, was sie besaß, und gab freudig alles den Armen, die sie als ihre Mutter verehrten.“ Die Mutterschaft Elisabeths, die zunächst eine leibliche war (drei Kindern schenkte sie das Leben), weitet sich zur geistlichen Mutterschaft. Bereits in ihrer Liebestätigkeit an der Wartburg wird das sichtbar, besonders aber in ihren letzten Lebensjahren, wo sie sich – der „Welt“ abgestorben – im Feuer der Liebe Christi ganz verzehrt. Dadurch wird die Heilige zur Namensgeberin kirchlicher Liebeswerke in ganz Europa. Viele soziale Einrichtungen tragen ihren Namen.
Doch zurück zu unserer Präfation: „In den Armen erkannte sie Christus, ihm wollte sie dienen in den Ärmsten der Armen. Froh in der Bedrängnis, ertrug sie Schmach und Unrecht, früh vollendet, gelangte sie zur Freude des Himmels“, heißt es dort abschließend. Elisabeths Liebe zu den Armen war ein Hingezogen-Sein zu Christus. Diese mystische Vereinigung mit dem leidenden und verachteten Herrn führte zur Verähnlichung mit ihm, so dass Schmach und Entäußerung das Los der Heiligen wurden. Christliche Caritas in ihrer Vollendung folgt somit nicht nur den Worten Christi („was ihr getan dem geringsten meiner Brüder, das habt ihr mir getan“): Sie ist vielmehr Teilhabe am erlösenden Leiden dessen, durch dessen Wunden wir geheilt sind. In der Heiligen Elisabeth von Thüringen ist dies in kaum zu überbietenden Weise sichtbar geworden.
Zur Quellenlage
Unmittelbar nach dem Tod der Heiligen (17.11.1231) begann das Bemühen um ihre Heiligsprechung, sodass Papst Gregor IX. sie bereits 1235 heilig sprechen konnte. Sehr bald gab es zahlreiche Berichte über ihr Leben und Wirken sowie über die Wunder, die auf ihre Fürsprache hin geschehen waren. Es liegen somit Texte vor, die bald nach dem Hinscheiden der Heiligen verfasst wurden und die neben vielen historischen Details ihr Leben in großer Lebendigkeit erstehen lassen.
Kindheit und erste Lebensjahre
Die ersten Lebensjahre Elisabeths sind eng verwoben mit den politischen Geschicken der damaligen Zeit. Als Königstochter – ihr Vater ist König Andreas II. von Ungarn – schien ihre Vermählung mit einem Vertreter des thüringischen Landgrafenhauses unter politischen Aspekten außerordentlich nützlich. So kam die Prinzessin mit vier Jahren zur Erziehung an den thüringischen Hof, und zwar auf die Wartburg.
Auch wenn im Mittelalter Ehestiftungen durch die Eltern der Normalfall waren, so braucht es keiner besonderen Vorstellungsgabe, um die Auswirkungen einer solch frühen Trennung vom Elternhaus zu erkennen. Dazu kommt eine tiefreligiöse Veranlagung, die sich bei der kleinen Prinzessin schon sehr früh bemerkbar macht. Ihr Biograph Dietrich von Apolda berichtet von der magischen Anziehungskraft der Burgkapelle auf das Mädchen:
Oft lag Elisabeth ausgestreckt vor dem Altar (…) Wenn sie mit anderen Kindern nach Kinderart laufen oder springen sollte, rannte sie zu der Kapelle. (…) Das fromme kleine Fräulein zog auch öfter mit seinen Spielgefährten auf den Kirchhof und sprach zu ihnen: ‚Lasst uns um das Gotteshaus herumgehen und dabei Gebete sprechen.’ Danach sagte sie zu den Kindern: ‚denkt daran, dass wir zu Staub werden müssen. Darum wollen wir Gott lieb haben.’
Im Leben der Heiligen zeigt sich zudem sehr früh ein Gespür für die Vergänglichkeit irdischer Schönheit. Äußere Erlebnisse mögen diese Ahnung noch verstärkt haben, so z.B. der Tod des Vaters ihres Bräutigams, des Landgrafen Hermann (Elisabeth war 5-6 Jahre alt) und der frühe Tod ihrer Mutter Gertrud (1213). Schließlich starb ihr Verlobter Hermann (1216), als Elisabeth gerade 9 Jahre alt war. Dass Ludwig IV. die Verlobungsverpflichtung seines verstorbenen Bruders übernahm (und damit auf erneuten Machtzuwachs durch eine andere eheliche Verbindung verzichtete), deuten die Biographen als besondere Charakterstärke des künftigen Ehemannes der Heiligen.
All diese Erlebnisse hinterlassen Spuren in der Seele Elisabeths. Sie ahnt, dass Demütigungen, Einsamkeit und der Verzicht auf äußeren Glanz Kennzeichen der wahren Freunde Christi sind.
Eines Tages gingen sie (= Elisabeth und Agnes, die Schwester ihres Bräutigams), standesgemäß geschmückt und hell strahlend, in die Kirche. Als sie zusammen an ihrem Platz standen, im strahlenden Schmuck der Kronen, hob Elisabeth sogleich die Krone von ihrem Kopf, stellte sie neben sich und wollte sie vor dem Ende des Gottesdienstes keinesfalls wieder aufsetzen. Die Fürstin Sophie zeigte sich verwundert und fragte sie nach der Bedeutung dieses Verhaltens. Da antwortete die gottselige Elisabeth: ‚Es sei mir fern, dass ich armselige irdische Kreatur in Gegenwart unseres Gottes und Königs Jesu Christi, den ich mit Dornen gekrönt vor mir sehe, stolz mit einer Krone erscheine.’
In ihrem Hingezogen-Sein zum armen und verachteten Christus zeigt sich ein Grundzug der Frömmigkeit nicht nur der Heiligen von der Wartburg. Als die ersten Boten des Heiligen Franz von Assisi nach Deutschland kamen (1219), wurden sie verlacht. Zwei Jahre später starteten sie einen zweiten Versuch. Es ist das Jahr der Eheschließung Elisabeths. Reinhold Schneider schreibt: „Sie muss unter den ersten gewesen sein, die von der franziskanische Botschaft ergriffen wurden; (…) so ward Elisabeth für Franziskus bereit, eine franziskanische Seele, ehe sie von ihm hörte.“ Die Worte, welche Clara von Assisi an die Heilige Agnes von Prag (ebenfalls eine Königstochter) richtet, fassen das Geheimnis franziskanischer Frömmigkeit zusammen:
Verachtet, hilflos und arm wollte Christus in der Welt leben, damit wir, die wir arm und hilflos sind und Mangel leiden an Liebe, reich werden in ihm und das Gottesreich erben. Darum juble ich laut und freue mich. Ja, ich bin außer mir vor Freude und Fröhlichkeit.
Es ist die Verbindung von Armut, Schlichtheit und großer Fröhlichkeit, die die franziskanische Armutsbewegung auszeichnet. Elisabeth hat diesen Geist empfangen und gelebt, noch bevor sie ausdrücklich vom Wirken des heiligen Franz in Deutschland erfuhr.
Ehestand
Große Überraschung herrschte unter den Beratern Ludwigs IV., als dieser sich gegen die Einflüsterungen einflussreicher Bediensteter am thüringischen Hof für die Ehe mit der ungarischen Prinzessin entschied. Eine Verbindung mit einer Fürstentochter aus der Nähe hätte reicheren Besitz verheißen. Das reine und selbstlose Wesen Elisabeths hatte den Fürsten jedoch bereits gefangen genommen. Dietrich von Apolda weiß zu berichten, dass Ludwig schon länger danach trachtete, Elisabeth in ihrer Verlassenheit zu trösten. Einem Ratgeber vertraut er an, dass er Berge von Gold leichter verschmähen würde als von Elisabeth Abstand zu nehmen. Als Zeichen seiner Verbundenheit lässt Ludwig seiner Braut einen Spiegel zukommen, der auf der Rückseite ein Leidensbild Christi zeigt. Diese Unbeirrbarkeit Ludwigs und die tiefe Bewunderung für seine Gattin waren die Voraussetzung dafür, dass er die sonderbaren Wege seiner Frau stets achtete und ihre Liebeswerke gegen die Gegner am Hof verteidigte.
Die Ehe von Ludwig und Elisabeth wurde 1221 geschlossen und währte nur sechs Jahre lang. Elisabeth war zum Zeitpunkt der Hochzeit 14 Jahre alt. In den Lebensbeschreibungen wird das gottgefällige Leben der Eheleute hervorgehoben. Bemerkenswert ist auch, dass die Liebe, die Elisabeth zum himmlischen Bräutigam hegte, nicht in Gegensatz zu den Pflichten der christlichen Ehe trat:
Jede Nacht, wenn ihr Gemahl schlief, und oft mit seiner Zustimmung, erhob sie sich und betete mit Inbrunst, so dass er sich um sie sorgte, sie ermahnte und bat, den müden Gliedern etwas Ruhe zu gönnen. Tief war die Gottergebenheit der jungen Frau, die sie dazu bewog, sich nachts von dem Bett ihres irdischen Gemahls hinwegzustehlen, um den Bräutigam ihrer keuschen Seele zu suchen und zu finden, Christus, den Herrn, den sie aus ganzem Herzen lieb hatte.
In diesem Zusammenhag muss auch Elisabeths Seelenführer, Konrad von Marburg, genannt werden. Ludwig selbst hatte seiner Ehefrau geraten, beim Papst um geistliche Führung nachzusuchen. Papst Gregor IX. vertraut Elisabeth der Führung Konrads an, eines Priesters, dessen genaue Herkunft und Ordenszugehörigkeit im Dunkeln liegt. Konrad scheint ein finsterer und furchterregender Mann gewesen sein, der über gute Kontakte zu Papst Gregor IX. verfügte. Er war als Kreuzzugsprediger bekannt und nicht ohne Einfluss in Deutschland. Ludwig hatte ihn um das Jahr 1220 an die Wartburg berufen, um sich mit ihm über Kirchenfragen zu unterhalten. Offenbar ging es um die Reform des weitgehend verwahrlosten Pfarrklerus. Hier zeigte Konrad unnachgiebige Strenge gegen die Sittenlosigkeit der Geistlichkeit. Es ist ein Ausspruch Konrads überliefert, dass es besser sei, sechzig Menschen zu töten, als ein Pfarramt mit einem unfähigen Seelenhirten zu besetzen. Diese unerbittliche Strenge, die er den Feinden der Kirche und dem zuchtlosen Klerus entgegenbrachte, zeichnete auch seine Haltung Elisabeth gegenüber aus. 1225 hatte Elisabeth dem Magister Konrad Gehorsam und, bei einem eventuellen Tode des Gatten, Keuschheit gelobt. Der Elisabeth-Biograph Ernst W. Wies merkt hierzu an: „Elisabeth selbst erwählte Konrad und nicht er sie oder ein Dritter. Sie erwählte ihn, weil er bettelarm war und sie keine äußere Hilfe erwarten konnte. Sie wählte ihn, weil er ihrem evangelischen Armutsideal entsprach.“
Für das moderne Bewusstsein befremdlich sind besonders die Züchtigungen und Demütigungen, mit denen Konrad die Heilige traktiert. Immer wieder züchtigt er sie bei Nichtbefolgen seiner Befehle und Weisungen, mehrfach schlägt er sie mit Ruten bis aufs Blut. Kasteiungen, asketische Übungen und Abtötung sind für das mittelalterliche Frömmigkeitsempfinden jedoch nichts Außergewöhnliches. Man sieht hierin eine konkrete Ausformung der Christusnachfolge und zugleich eine Möglichkeit, dem geschmähten und so wenig geliebten Heiland Sühne zu leisten. Dietrich von Apolda zeigt uns durch ein Wort der Heiligen, dass solche Bußübungen in ihren Augen noch einen anderen Wert haben:
Wir müssen solcherlei gern hinnehmen. Es ist mit uns wie mit dem Schilf, das im Fluss wächst. Schwillt der Fluss an, so wird es hinuntergedrückt und neigt sich. Das Wasser fließt darüber, ohne es zu brechen. Hört die Überflutung auf, richtet sich das Schilf wieder empor und wächst mit seiner Lebenskraft lieblich und schön. So müssen wir uns bisweilen beugen und demütigen, um uns danach lieblich und schön aufzurichten.
Witwenschaft und Erniedrigung
Leidenschaftliche Liebe zu Christus, der Wunsch nach Selbstverleugnung und Verähnlichung mit dem Gekreuzigten und zugleich innige Liebe zu ihrem Ehegatten: Für Elisabeth ist dies kein Gegensatz. Die Nachricht vom Tod Ludwigs, der am 11.09. 1227 auf dem sechsten Kreuzzug an der Pest stirbt, stellt die eigentliche Wende in ihrem Leben dar. „Er ist tot. Er ist tot. Für mich soll hinfort diese ganze Welt gestorben sein!“ ruft die Heilige beim Eintreffen der Todesnachricht aus. Die endgültige Trennung vom Hof und den dortigen Lebensgewohnheiten erscheint nun als Konsequenz ihres Versprechens gegenüber Konrad. Auch wenn die Quellen uns im Unklaren lassen, ob Elisabeth vom Hof vertrieben wurde (weil ihr seltsames, gegen die Etikette verstoßendes Verhalten den Armen gegenüber nun keinen Verteidiger mehr hatte) oder ob sie freiwillig ging: Die Unvereinbarkeit ihrer Sehnsucht, den Armen zu dienen mit den höfischen Sitten führten notwendigerweise zum Bruch. Elisabeth scheint diesen „Abstieg“ von der Burg und die Verachtung, die ihr nicht nur von Seiten des Hofes, sondern auch von Seiten der armen Bevölkerung entgegengebracht wurde, mit Gleichmut ertragen zu haben. Es war Anteil am heilbringenden Sühneleiden des verachteten Christus. Christus bestätigt dies unmittelbar darauf mit besonderen mystischer Gnaden, die sie auf Drängen einer Freundin mitteilt:
Ich sah den Himmel offen und ihn, meinen lieben Herrn Jesus, wie er sich mir zuneigte und Trost spendete in den verschiedenen Ängsten und Betrübnissen, die mich bedrückten.
Am Karfreitag des Jahres 1228 tritt sie in Gegenwart Konrads in der Minoritenkirche in Wehrda dem Drittorden der Franziskaner bei. Gleichzeitig entsagt sie allem „Glanz und Schmuck dieser Welt“ sowie ihren Eltern, Kindern Verwandten und Freunden. Ihr königliches Gewand legt sie ab „zum Zeichen, dass sie dem unbekleideten Christus in Liebe und Armut nachfolgen“ will.
Als sie sich anschickte, auch auf all ihr Hab und Gut zu verzichten, hielt sie der kluge Meister Konrad zurück und bestand darauf, dass sie ihre Morgengabe oder ihr Leibgedinge behielt; das sollte sie nutzen, um den Armen davon Almosen zu geben.
Offenbar hat Elisabeth einen Teil ihres Witwengeldes auf Anweisung Konrads zurückbehalten. Auch wenn die Motive hierfür im Dunkeln bleiben (war es die Klugheit ihres Seelenführers oder hegte er Hintergedanken?), benutzte die Heilige das Geld, um eine umfassende Armenfürsorge ins Werk zu setzen. Sie war über Eisenach und Bamberg schließlich nach Marburg gekommen, wo sie – offenbar mit Konrads Hilfe – ein Hospital erbaut.
Liebestätigkeit und Vollendung
Die Liebe zu den Armen hatte bereits das Leben Elisabeths auf der Wartburg ausgezeichnet. Mit ihrem Gatten Ludwig errichtete sie 1226 ein Hospital unterhalb der Wartburg. Unermüdlich diente sie dort den Armen – der höfischen Etikette nicht achtend. Sie weigerte sich zudem, Speise zu sich zu nehmen, die auf Kosten der Armen erworben worden war. Ihre Christusliebe schenkte ihr die Gnade, in den Armen Christus selbst zu erkennen. Zahlreiche Legenden bringen diese mystische Christusbegegnung zum Ausdruck, in der Elisabethverehrung hat das „Rosenwunder“ die größte Tiefenwirkung entfaltet: Als Elisabeth einst mit einem Korb voll Brot den Turm herabstieg, fragte sie Ludwig, was sie im Korb habe. Als sie diesen aufdeckte, erschien ein Korb voller roter Rosen.
Elisabeths Liebestätigkeit erreicht in Marburg nun ihren Höhepunkt und ihre Vollendung – begleitet von mystischen Schauungen und der Gnade einer innigen Christusverbundenheit. Der Heiligen bleiben nach ihrem Karfreitagsgelübde – der völligen Loslösung von allen irdischen Bindungen – nur noch drei Jahre. Diese kostbare Zeit ist erfüllt von rastlosem Dienst an den Armen. Dabei hat die Heilige immer das Seelenheil der Bedürftigen im Blick: Besonders achtet sie darauf, dass jeder vor seinem Hinscheiden die Heiligen Sakramente empfängt. So Verzehrt sich ihr Leben rasch im Feuer der Liebe Christi.
Gottselig war ihr eigenes Sterben dann auch. Bei der Beschreibung ihrer letzten Worte fühlt man sich nach Portiuncula versetzt – an jenen Ort, wo der Heilige von Assisi im Kreise seiner Brüder seine Seele zurückgab in die Hände des himmlischen Vaters:
Nachdem die fromme Frau ihr Beichte beendet hatte, fragte der Priester, was mit ihrer Habe geschehen sollte. ‚Alles, was ich jemals besessen habe, ist für arme Leute bestimmt’, gab sie zur Antwort, und legte fest, dass man allen Nachlass um Gotteslohn verteilte, ausgenommen lediglich ein schäbiger Rock, in dem man sie begraben sollte.
Ihre bald darauf erfolgende Heiligsprechung ist weniger dem politischen Kalkül bestimmter Kreise zu verdanken, auch wenn manche Historiker uns dies glauben machen wollen. Es ist die liebende Antwort des einfachen Volkes, das mit unfehlbarem Gespür in Elisabeth die „Mutter der Armen“ erkannte. Elisabeth wurde im Laufe ihres Lebens zur ganz und gar marienförmigen Gestalt. Ein Biograph stellt daher fest,
dass außer der Mutter Gottes Maria noch keine weibliche Person eine größere, weiter verbreitete Verherrlichung auf Erden gefunden hat als die heilige Elisabeth.
Das bevorstehende Elisabethjahr gibt uns nun die Möglichkeit, das Licht dieser Heiligen neu zum Leuchten zu bringen. Möge dies auf ihre Fürsprache hin gelingen.
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Jolie (Landpfarrer)