Ein heikles Thema
Aufmerksamen Fernsehzuschauern ist sicher nicht entgangen, dass der Heilige Vater seit einigen Jahren nur noch die Mundkommunion spendet. Der päpstliche Zeremonienmeister
hat in einem Interview ausgeführt, der Papst wolle dazu ermutigen, die Kommunion mit dem Mund und kniend zu empfangen. Dies sei als Empfehlung, nicht als Vorschrift zu verstehen. (05.03.2010)
Vermutlich waren es nicht zuletzt die Erlebnisse der Kommunionspendung bei Massenzelebrationen, die den Papst bewegt haben, diese „Ermutigung" auszusprechen. Hier konnte man z.B. erleben, dass
der Leib des Herrn über mehrere Reihen hinweg wie ein Keks weitergereicht wurde oder aber sonstwo verschwand (und später vom Reinigungspersonal auf dem Petersplatz wiedergefunden oder bei eBay
vertickt wurde). Das machte nicht nur den Papst nachdenklich...
Bei der Frage „Mund- oder Handkommunion" geht es nicht um die Frage, welcher Körperteil mehr oder weniger „rein" ist. Auch wenn es in beiden Formen möglich ist, ehrfürchtig zu kommunizieren, ist
doch zu fragen, ob es Formen des Kommunionempfangs gibt, welche die größere Gefahr eines Missverständnisses oder einer Profanierung in sich bergen. Darüber hinaus sollte die Frage erlaubt sein,
welche Form die angemessenere ist angesichts der Größe des Geheimnisses.
Dies wird unterschiedlich beantwortet, wie wir alle wissen. Deshalb ist niemand berechtigt, über die innere Einstellung zu urteilen, mit der jemand den Leib Christi in der einen oder anderen Form
empfängt. Tatsache ist jedoch, dass die beiden Riten des Empfangs zurzeit nicht gleichberechtigt nebeneinander stehen, weil all jene, die den Leib des Herrn z.B. kniend empfangen wollen, dies nur
bei entsprechender sportlicher Konstitution verrichten können, da sie sich nirgends festhalten können. Tatsache ist auch, dass die Riten der Ostkirche keine Handkommunion kennen. Tatsache ist
weiterhin, dass die Mundkommunion - rein rechtlich gesehen - der Normalfall bleibt und die Praxis der Handkommunion eine Ausnahme darstellt (sog. „Indult"). Und schließlich könnte es zumindest
nachdenklich machen, dass Menschen, die erst im Erwachsenenalter zum Glauben an die wahre Gegenwart Christi im Sakrament gekommen sind und sich entsprechend taufen lassen bzw. konvertieren, in
der Regel die Mundkommunion bevorzugen.
Deshalb ist es der Toleranz wegen geboten, von Zeit zu Zeit auf beide Möglichkeiten des Kommunionempfangs hinzuweisen. Wenn dies dann auch noch in einem Klima gegenseitiger Achtung geschieht,
freut sich darüber sicher nicht nur der Pfarrer...
(Siehe auch die behutsamen und geistreichen Ausführungen von Prof. Dr. Robert Spaemann)
Jolie (Landpfarrer)