Zur gegenwärtigen Lage der Pastoral (Pfarrer Hendrick Jolie)

 

Der Zusammenbruch der flächendeckenden Seelsorge in den deutschen Bistümern ist kein Naturereignis. Neben gesellschaftlichen Faktoren, auf die die Kirche kaum Einfluss nehmen kann (Materialismus, Relativismus, Atheismus, Hedonismus etc.) gab es in den letzten Jahrzehnten auch innerkirchliche Weichenstellungen, die dafür gesorgt haben, dass unsere Kirche in diese tiefe Krise geschlittert ist.

 

Insbesondere Papst Johannes Paul II hat – wie auch sein Nachfolger – die Oberhirten immer wieder davor gewarnt, diözesane und pfarrliche Strukturen zu schaffen, die auf eine Verwässerung des spezifisch katholischen Profils von Pfarrer und Pfarrei hinauslaufen.

 

Leider sind diese Mahnungen weitgehend ungehört verhallt.

 

Die Folge:

  • Eine Preisgabe der sakramentalen Struktur unserer Gemeinden bzw. deren Relativierung hat den Glauben vieler geschwächt.
  • Eine rein menschliche – meist soziologische – Betrachtungsweise von Kirche und Priestertum, wie sie in den letzten Jahrzehnten üblich war, führt nun zwangsläufig zu den Missverständnissen, die wir landauf, landab beobachten können.
  • Die Leute wissen nicht mehr, was gilt und treten in Scharen aus der Kirche aus. Viele, die (noch) bleiben, sind verunsichert oder im Glauben schwach geworden.

 

Auch wenn die Öffentlichkeit die gegenwärtig katastrophale Lage der Kirche auf die allseits beliebte Zölibatsfrage reduziert, ist für jeden einigermaßen nachdenklichen Beobachter doch klar: Hier steht nicht der Zölibat, sondern der Glaube auf dem Spiel. 

 

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen, die helfen können, die momentanen Entwicklungen besser zu verstehen. Letztlich ist der gegenwärtige Zusammenbruch eine Folge von geistestgeschichtlichen Entwicklungen, die hauptsächlich in die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichen.